Ich merke in letzter Zeit immer häufiger, dass ich online Texte lese und nach wenigen Absätzen denke: Formal ist daran eigentlich gar nicht so viel falsch. Der Text ist ordentlich aufgebaut, verständlich geschrieben und wirkt auf den ersten Blick professionell. Und trotzdem bleibt bei mir ein seltsames Gefühl zurück. Nicht, weil der Text schlecht wäre, sondern weil ich kaum noch spüre, wer da eigentlich spricht.
Dieses Gefühl begegnet mir nicht nur bei Blogartikeln. Ich habe es bei LinkedIn-Posts, bei Newslettern, bei Website-Texten, manchmal sogar bei Podcast-Folgen oder Videos. Alles klingt ein bisschen runder, glatter, irgendwie mehr nach „Content“. Aber nicht unbedingt nach einem echten Menschen mit einer eigenen Erfahrung, einer eigenen Haltung und einer eigenen Sprache.
Und genau das finde ich problematisch.
Warum mich der Einsatz von KI im Marketing zunehmend beschäftigt
Nicht, weil ich die künstliche Intelligenz (KI) grundsätzlich ablehne. Im Gegenteil: Ich nutze KI-Tools wie ChatGPT selbst und sehe sehr deutlich, wie hilfreich sie sein kann. Sie kann Gedanken sortieren, Strukturen vorschlagen, Recherchen erleichtern, Formulierungen prüfen oder dabei helfen, einen Text verständlicher zu machen. Gerade für vielbeschäftige Selbstständige, die ohnehin oft viel zu viele Aufgaben gleichzeitig stemmen, kann das eine echte Entlastung sein.
Aber ich glaube, wir sollten genauer hinschauen, an welcher Stelle wir KI in unseren Prozess lassen. Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich KI nutze, nachdem ich selbst schon gedacht, gefühlt, beobachtet und eine eigene Richtung gefunden habe. Oder ob ich sie ganz am Anfang frage, noch bevor ich selbst überhaupt weiß, was ich eigentlich sagen möchte.
Genau dort beginnt für mich die eigentliche Gefahr. Nicht bei der Technologie an sich, sondern bei der Gewohnheit, den ersten eigenen Gedanken immer häufiger an eine KI auszulagern.
KI ist nicht das Problem. Der (unbewusste) Umgang damit aber schon.
Ich glaube nicht, dass die entscheidende Frage lautet: „Darf ich KI für mein Marketing nutzen?“ Viel spannender ist aus meiner Sicht die Frage: „Was gebe ich an KI ab und was besser nicht?“
Wenn ich KI nutze, um einen bereits vorhandenen Gedanken klarer zu strukturieren, kann das sehr hilfreich sein. Wenn ich ihr eine Rohfassung eines Textes gebe und sie bitte, Dopplungen zu finden, Übergänge zu verbessern oder SEO-Aspekte zu ergänzen, kann daraus ein besserer Text entstehen. Wenn ich mir gar keine Gedanken darüber mache, was ich sagen möchte, sondern direkt einen Prompt wie „Schreibe mir einen Blogartikel über XY“ eingebe, dann entsteht oft ein anständig formulierter, aber seelenloser Text.
Denn ein guter Marketingtext besteht nicht nur aus Informationen. Er lebt davon, dass jemand etwas verstanden, erlebt, bewertet oder durchdacht hat. Das kann auch ein kleiner Gedanke sein, eine Beobachtung aus dem Alltag, ein Gespräch mit einer Kundin oder eine Erfahrung aus der eigenen Selbstständigkeit. Genau solche Details machen Texte nahbar und glaubwürdig.
Wenn KI zu früh im Prozess übernimmt, wird dieser wichtige Teil schnell übersprungen. Dann steht am Anfang nicht mehr die eigene Wahrnehmung, sondern ein generierter Vorschlag. Das kann bequem sein, aber es kann auch dazu führen, dass wir immer weniger üben, unseren eigenen Gedanken zu vertrauen.
KI kann uns nicht nur beim Schreiben unterstützen. Sie kann auch verdecken, dass wir eigentlich schon eigene Ideen haben.
Was passiert, wenn wir unsere Kreativität zu früh an KI abgeben?
Ein Punkt, der mich an der ständigen KI-Nutzung fast noch mehr beschäftigt als die Frage nach der Textqualität, ist der Umgang mit unserer eigenen Kreativität.
Denn ich glaube, dass KI uns nicht nur beim Schreiben unterstützt. Sie verändert auch den Moment davor. Also den Moment, in dem eine Idee überhaupt entsteht.
Früher saß man vielleicht erst einmal da. Man hat aus dem Fenster geschaut, sich Notizen gemacht, ein bisschen herumgedacht, einen Satz wieder verworfen, sich geärgert, eine halbe Stunde scheinbar nichts Produktives gemacht und irgendwann kam ein Gedanke, der wirklich aus einem selbst heraus entstanden ist.
Heute ist die Versuchung groß, diesen Moment abzukürzen. Man öffnet ChatGPT, gibt ein Thema ein und bekommt sofort zehn Ideen, eine Struktur und mögliche Formulierungen. Das fühlt sich effizient an. Und manchmal ist es das auch.
Aber ich frage mich immer öfter: Was passiert eigentlich, wenn wir diesen ersten inneren Suchprozess kaum noch zulassen?
Denn Kreativität entsteht nicht nur aus schnellen Antworten. Sie entsteht auch aus Langeweile oder Umwegen oder aus dem Gefühl, dass ein Gedanke noch nicht ganz greifbar ist. Aus Gesprächen, Beobachtungen, Pausen und manchmal auch aus dem Aushalten von Unklarheit.
Wenn wir KI zu früh nutzen, kann es passieren, dass wir genau diesen Raum überspringen. Wir bekommen zwar schneller ein Ergebnis, aber vielleicht nicht unbedingt ein eigenes. Und je öfter wir diesen ersten Schritt auslagern, desto weniger üben wir, selbst nach einer Formulierung, einer Idee oder einem Blickwinkel zu suchen.
Das heißt nicht, dass KI unsere Kreativität grundsätzlich zerstört. So einfach ist es nicht. Es gibt Studien, die zeigen, dass KI kreative Arbeit durchaus unterstützen kann. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen aber auch, dass KI-unterstützte Ergebnisse ähnlicher werden können und dass Menschen weniger kritisch mitdenken, wenn sie sich zu stark auf KI verlassen.
Für mich bestätigt das etwas, das ich auch im Marketing beobachte: KI kann Ideen anstoßen. Aber sie kann uns auch sehr schnell in bereits vorhandene Muster führen. Und genau dort wird es gefährlich.
Erst denken, dann prompten!
Denn wenn viele Menschen dieselben Tools nutzen, ähnliche Prompts stellen und ähnliche Vorschläge übernehmen, entsteht nicht unbedingt mehr Originalität. Es entsteht oft mehr Variation desselben. Mehr Inhalte, Ideen, Texte, aber weniger Einzigartiges.
Vielleicht ist das die leise Gefahr: Nicht, dass wir plötzlich keine Ideen mehr haben. Sondern dass wir verlernen, ihnen genug Raum zu geben. Dass wir dem ersten KI-Vorschlag mehr vertrauen als unserem eigenen unfertigen Gedanken. Dass wir das Glatte schneller akzeptieren als das Echte. Dass wir vergessen, dass Inspiration manchmal nicht sofort da ist, sondern erst entsteht, wenn wir uns selbst ein bisschen zuhören.
Kleine Reflexionsfrage
Bevor du das nächste Mal KI für einen Text öffnest, nimm dir fünf Minuten und schreibe ohne Tool auf (idealerweise mit Zettel und Stift):
- Was ist mein eigener erster Gedanke zu diesem Thema?
- Welche Erfahrung habe ich dazu gemacht?
- Was sehe ich vielleicht anders als andere?
- Was würde ich sagen, wenn ich mit einer Kundin darüber spreche?
- Welche Idee ist noch nicht perfekt, aber fühlt sich nach mir an?
Erst danach öffne KI. Nicht, damit sie den Gedanken ersetzt, sondern damit sie dir hilft, ihn klarer zu machen.
Warum viele KI-Texte so ähnlich klingen
Viele Texte aus ChatGPT, Claude, Gemini und Co haben eine bestimmte Art von Glätte. Sie sind meist korrekt, gut lesbar und angenehm strukturiert. Aber sie bleiben oft an der Oberfläche. Sie vermeiden Reibung, formulieren ausgewogen und sagen Dinge, denen kaum jemand widersprechen würde. Dadurch wirken sie professionell, aber selten wirklich individuell.
Das Problem ist nicht, dass KI keine guten Sätze formulieren kann. Das kann sie. Das Problem ist eher, dass viele Texte dadurch eine Sprache bekommen, die niemandem wehtut, aber auch niemanden richtig erreicht. Es fehlen die kleinen Eigenheiten, die einen Text lebendig machen: ein konkretes Beispiel, eine persönliche Irritation, ein Satz, der vielleicht nicht perfekt ist, aber ehrlich klingt.
Gerade im Marketing ist das entscheidend. Denn Menschen kaufen nicht nur, weil ein Text sauber formuliert ist. Sie kaufen, weil sie Vertrauen aufbauen. Weil sie sich verstanden fühlen. Weil sie merken, dass da jemand nicht einfach nur Inhalte produziert, sondern wirklich etwas zu sagen hat.
Und genau darin liegt das Risiko. Denn Marketing soll nicht nur informieren, sondern Verbindung schaffen. Es soll Menschen einen Eindruck davon geben, wer du bist, wie du arbeitest, wofür du stehst und ob sie sich bei dir gut aufgehoben fühlen. Wenn dieser Eindruck verloren geht, hilft auch die schönste Formulierung nicht viel.
KI und SEO: Die Gefahren austauschbarer Blog- und Website-Texte
Gerade beim Bloggen und bei Optimierung von Texten für Suchmaschinen (SEO) ist die Versuchung groß, KI sehr stark einzusetzen. Ich selbst greife natürlich auch auf dieses Werkzeug zurück. Man hat ein Keyword, möchte dazu einen Artikel schreiben und lässt sich von ChatGPT oder einem anderen Tool eine Struktur, Zwischenüberschriften, FAQ-Fragen und vielleicht auch gleich den ganzen Text erstellen. Auf den ersten Blick klingt das effizient.
Problematisch wird es aber, wenn am Ende ein Blogartikel entsteht, der nur zusammenfasst oder in anderer Form wiedergibt, was ohnehin schon überall steht. Genau dann wird der Text zwar vielleicht suchmaschinenoptimiert wirken, aber er ist beliebig austauschbar. Das ist weder gut für dich bzw. deine Positionierung, dein Ranking noch für deine Leser.
Google prüft auf KI-Content
Suchmaschinen wie Google und Bing selbst sagen nicht explizit, dass KI-generierte Inhalte grundsätzlich verboten sind. Experten behaupten jedoch, dass in der Tat unterschieden wird und verschiedene Kriterien, wie auch die Nutzung von KI-Tool beim Schreiben, das Ranking stark beeinflussen.
Ich kenne einige, die nach den letzten Google-Updates Verluste bei den Rankings ihrer Website in den Suchergebnissen hinnehmen mussten. Nach und nach merken auch die großen Firmen, dass es doch ratsamer ist, wieder Menschen einzustellen, die sich um den Content kümmern. Das kann man gemeinsam mit KI wunderbar lösen.
Entscheidend ist laut Google, ob Inhalte hilfreich, zuverlässig und für Menschen erstellt sind, nicht, ob sie mit oder ohne KI entstanden sind. Gleichzeitig macht Google aber auch klar, dass Inhalte, die explizit für Suchmaschinen erstellt werden oder massenhaft generiert werden, um Rankings zu beeinflussen, problematisch sind.
Für mich ist das ein wichtiger Unterschied. Es geht nicht darum, KI-Texte pauschal zu verteufeln. Vielmehr geht es darum, ob der Inhalt am Ende wirklich hilfreich ist.
- Enthält er eigene Erfahrungen?
- Gibt es eine echte Meinung?
- Wird etwas erklärt, das für die Zielgruppe wirklich relevant ist?
- Oder ist es nur eine sauber formulierte Zusammenfassung vorhandener Informationen?
Noch deutlicher wird das mit Blick auf generative Suchergebnisse wie die AI Overviews. Google empfiehlt für Sichtbarkeit in diesen neuen Sucherfahrungen weiterhin grundlegende SEO-Best-Practices, betont aber zusätzlich die Bedeutung von hilfreichen, zuverlässigen und nicht austauschbaren Inhalten. Gemeint sind Inhalte, die über allgemeines Wissen hinausgehen und durch eigene Expertise, Erfahrung oder besondere Perspektive einen zusätzlichen Wert für den Suchenden bzw. Leser schaffen.
Das bestätigt im Grunde etwas, das ich schon lange im SEO-Coaching beobachte: Gute Blogartikel entstehen nicht nur durch Keywords. Sie entstehen durch die Verbindung von Suchintention, Struktur, Erfahrung und echter Relevanz für die Menschen, die du erreichen möchtest.
Ein KI-generierter SEO-Text kann formal vieles richtig machen und trotzdem schwach sein. Er kann die richtigen Begriffe enthalten, passende Zwischenüberschriften nutzen und häufige Fragen beantworten. Aber wenn er keine eigene Perspektive enthält, bleibt er austauschbar. Und Austauschbarkeit ist langfristig keine gute SEO-Strategie.
Gerade für Selbstständige und kleine Unternehmen liegt hier aber auch eine große Chance. Denn du hast etwas, das KI nicht hat: echte Kundengespräche, eigene Erfahrungen, deine Art zu erklären, deine Werte, deine Beobachtungen aus der Praxis. Wenn du diese Dinge in deine Blogartikel einbringst, entsteht Content, der nicht nur gefunden wird, sondern Vertrauen aufbaut.
Und Vertrauen ist am Ende oft viel wertvoller als ein kurzfristiger Klick.
KI-generierte Texte: Wenn der erste Eindruck nicht mehr greifbar ist
Bei Website-Texten finde ich das Thema fast noch sensibler als bei Blogartikeln. Denn deine Website ist oft der erste Ort, an dem Menschen wirklich mit dir und deinem Angebot in Kontakt kommen. Vielleicht kennen sie dich noch nicht und sind das erste Mal über Google auf dich gestoßen. Vielleicht haben sie deinen Namen irgendwo gehört und schauen jetzt nach, ob dein Angebot zu ihnen passt.
In diesem Moment geht es darum, eine Brücke zu schlagen und nicht nur zu erklären, was du machst, sondern auch zu zeigen, wie du arbeitest. Gerade bei Beratung, Coaching, kreativen Dienstleistungen oder persönlichen Angeboten kommt das total darauf an. Menschen möchten spüren, ob sie dir vertrauen können. Sie wollen ein Gefühl dafür bekommen, wie du denkst, wie du bei deiner Arbeit vorgehst und wie du anderen damit bereits weitergeholfen hast.. Und sie möchten beurteilen, ob das auch zu ihnen un ihren Bedürfnissen passt.
Wenn diese Texte überwiegend von KI geschrieben wurden, hinterlässt das einen merkwürdigen ersten Eindruck. Die Website wirkt professionell, aber nicht greifbar. Sie klingt nach Angebot, aber nicht nach Mensch. Sie erklärt oberflächlich, aber verbindet nicht auf einer tieferen Ebene.
Ich sehe das tatsächlich immer häufiger. Websites, auf denen eigentlich spannende Persönlichkeiten und gute Angebote stehen, aber die Texte klingen so, als könnten sie zu sehr vielen anderen Anbieter:innen genauso passen. Es gibt dann Aussagen über Qualität, individuelle Begleitung, nachhaltige Lösungen oder ganzheitliche Strategien. Alles nicht falsch. Aber eben auch nicht einzigartig positioniert.
Und genau hier geht Authentizität verloren.
Authentisch zu schreiben bedeutet nicht, alles Privates offenzulegen oder künstlich emotional zu werden. Es bedeutet, dass deine Sprache, deine Haltung und deine Erfahrung erkennbar bleiben. Dass jemand nach dem Lesen ein Gefühl dafür hat, wer du bist und warum du auf deine Weise arbeitest.
Gerade online ist das so wichtig, weil viele Zwischentöne fehlen. Menschen sehen nicht, wie du in einem echten Gespräch reagierst. Sie spüren nicht automatisch deine Wärme, deine Klarheit oder deine Kompetenz. Deine Website-Texte müssen einen Teil davon übernehmen. Wenn du diese Aufgabe komplett einer KI überlässt, gibst du ausgerechnet den ersten Eindruck an eine Instanz ab, die dich im Kern nicht wirklich kennt.
KI kann zwar beschreiben, was du anbietest. Aber sie spürt nicht aus sich heraus, warum es deins ist.
KI auf Social Media: Warum echte Resonanz schwerer wird
Auch auf Social Media wird deutlich, was passiert, wenn viele mit ähnlichen KI-Texten arbeiten. Die Beiträge wirken oft besser strukturiert, aber nicht unbedingt relevanter. Sie klingen nach klarer Meinung, doch steckt oft keine echte Haltung dahinter.
LinkedIn hat dieses Problem inzwischen selbst aufgegriffen. Die Plattform spricht von „AI-Slop“, also von niedrigschwelligen, KI-generierten Inhalten, die auf den ersten Blick poliert klingen, aber wenig eigene Perspektive oder Substanz enthalten. LinkedIn schreibt ausdrücklich, dass KI zwar helfen kann, Sprache zu verfeinern, Beiträge und Kommentare aber weiterhin die eigene Stimme und Perspektive widerspiegeln sollten.
Das finde ich sehr spannend, weil es etwas bestätigt, das viele von uns wahrscheinlich schon im eigenen Feed wahrnehmen. Es gibt immer mehr Inhalte, aber nicht automatisch mehr echte Gespräche. Es wird viel gepostet, viel kommentiert, viel optimiert. Aber manches wirkt seltsam leer.
Dabei lebt LinkedIn gerade für Selbstständige und Unternehmer:innen von Persönlichkeit, Erfahrung und unterschiedlichen Meinungen. Ein Beitrag muss nicht perfekt sein, um Resonanz zu erzeugen. Oft sind es gerade die nicht ganz perfekten Gedanken, die berühren: ein ehrlicher Einblick, ein Lernmoment, ein Zweifel, eine Beobachtung aus dem Alltag oder eine klare Haltung, die nicht einfach aus einer Vorlage stammt.
Auch bei Instagram spielt Originalität eine immer größere Rolle. Instagram beschreibt Original Content als Inhalte, die selbst erstellt wurden oder eine eigene Perspektive widerspiegeln. Außerdem stellt Instagram Tools und Richtlinien bereit, um die Reichweite und Verbreitung von Originalinhalten besser zu schützen.
Natürlich heißt das nicht, dass jede KI-Nutzung automatisch zu weniger Reichweite führt. So einfach ist es nicht, und solche pauschalen Aussagen wären auch nicht seriös. Aber die Richtung ist erkennbar:
Plattformen versuchen, generische, kopierte, niedrigschwellige oder unoriginelle Inhalte weniger stark zu belohnen. Und genau in diese Kategorie können KI-Inhalte schnell fallen, wenn sie ohne eigene Bearbeitung, ohne echte Perspektive und ohne persönliche Substanz veröffentlicht werden.
Dazu passt auch eine Studie von Jasper David Brüns und Martin Meißner aus dem Jahr 2024. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz generativer KI für Social-Media-Content die wahrgenommene Marken-Authentizität verringern kann. Besonders interessant ist dabei, dass es einen Unterschied macht, ob KI die Menschen unterstützt oder sie im Content-Prozess ersetzt. Wird KI als reine Assistenz genutzt, fallen die negativen Effekte schwächer aus.
Für mich ist das ein sehr wichtiger Punkt. Denn genau darum geht es: KI als Unterstützung kann sinnvoll sein. KI als Ersatz für deine Stimme wird problematisch.
KI-Bilder, Videos und Podcasts: Wenn alles perfekt wirkt, aber nichts mehr berührt
Das Thema betrifft nicht nur Texte. Auch bei Bildern, Videos und Podcasts wird immer sichtbarer, wie stark KI unsere Wahrnehmung von Marketing verändert.
KI-generierte Bilder können beeindruckend sein. Sie wirken oft professionell, hochwertig und auf den ersten Blick ästhetisch. Aber manchmal fehlt ihnen genau das, was echte Bilder stark macht: ein Moment, eine kleine Unperfektheit, ein echter Ausdruck, eine Stimmung, die nicht künstlich komponiert wirkt.
Ich glaube, manchmal unterschätzen wir, wie wichtig solche kleinen Unregelmäßigkeiten sind. Ein echtes Foto muss nicht perfekt sein, um Vertrauen aufzubauen. Es wirkt oft genau deshalb näher, weil es nicht wie aus einer Hochglanzkampagne kommt.
Im echten Leben sind wir ja auch nicht durchgehend perfekt. Wir wählen nicht immer die idealen Worte. Wir haben Ecken und Kanten. Wir lachen schief, denken nach, korrigieren uns, suchen manchmal nach Formulierungen. Und genau das macht Begegnungen menschlich und hilft in Kontakt zu kommen.
Der Verlust der Menschlichkeit
Je perfekter Marketing wird, desto weniger glaubwürdig kann es wirken. Denn zu viel Perfektion erzeugt Distanz. Sie erzeugt zwar Bewunderung, aber keine Nähe.
Das gilt auch für Videos und Podcasts. Natürlich kann KI helfen, ein Skript vorzubereiten oder Gedanken zu ordnen. Aber wenn jedes Wort klingt, wie ausformuliert, geglättet und optimiert, geht schnell etwas verloren. Gesprochene Sprache lebt von Rhythmus, Pausen, spontanen Gedanken und manchmal auch von kleinen Unvollkommenheiten.
Gerade Audio und Video haben eigentlich die große Chance, Menschen sehr direkt zu erreichen. Nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil man spürt: Da ist jemand wirklich da.
Wenn aber selbst diese Formate klingen, als sei jede Formulierung vorab von einer KI geglättet worden, wird aus Nähe schnell Präsentation. Und daraus entsteht nicht automatisch Vertrauen.
Im Gegenteilt: Das Bedürfnis, Kontakt aufzunehmen und mehr zu erfahren, wird dadurch gehemmt. Ich glaube fest daran, dass wir Menschen weiterhin spüren, ob hinter dem Content eine Person sitzt oder eine Maschine.
Besonders für Soloselbstständige ein Dilemma
Ich verstehe sehr gut, warum die Nutzung von KI im Marketing so attraktiv ist. Gerade als Soloselbstständige:r oder kleines Unternehmen hast du oft nicht den Luxus, für jeden Bereich eine eigene Person zu beschäftigen. Du bist Expert:in in deinem Thema, Vertrieb, Buchhaltung, Kundenservice, Content-Team und manchmal auch noch Technik-Support in einer Person.
Dann sollst du regelmäßig bloggen, auf LinkedIn sichtbar sein, einen Newsletter schreiben, deine Website pflegen, SEO verstehen, Angebote überarbeiten und nebenbei natürlich deine eigentliche Arbeit machen. Kein Wunder, dass KI wie eine enorme Erleichterung wirkt. Und das ist sie auch. Aber genau hier liegt das Dilemma:
KI spart Zeit. Doch nicht jede eingesparte Zeit führt automatisch zu besserem Marketing.
Wenn du durch KI schneller veröffentlichst, aber weniger von dir sichtbar wird, kann der Effekt am Ende kleiner sein als gedacht. Vielleicht hast du dann mehr Content, aber weniger Verbindung. Mehr Texte, aber weniger Resonanz. Mehr Sichtbarkeit, aber weniger Wiedererkennung.
Das bedeutet nicht, dass du alles wieder allein machen musst. Es bedeutet nur, dass du bewusster entscheiden darfst, was du auslagerst und was nicht.
Denn gerade als Selbstständige:r bist du nicht austauschbar. Dein Marketing sollte es auch nicht sein.
Slow Marketing: Erst die Klarheit, dann KI
Für mich passt dieses Thema sehr stark zu Slow Marketing oder auch, wie ich es gerne nenne: Mindful Marketing. Nicht, weil es bedeutet, alles langsam oder altmodisch zu machen. Sondern weil es darum geht, bewusster zu arbeiten und nicht jedem Tempo einfach hinterherzulaufen.
Slow Marketing oder auch Mindful Marketing fragt nicht zuerst: Wie kann ich schneller mehr veröffentlichen? Sondern eher:
- Was möchte ich wirklich sagen?
- Wen möchte ich erreichen?
- Was braucht meine Zielgruppe gerade wirklich?
- Was passt zu mir?
- Und was fühlt sich auch in meiner Kommunikation stimmig an?
Gerade in Zeiten von KI wird innere Klarheit immer wichtiger. Denn je mehr Tools uns zur Verfügung stehen, desto leichter können wir uns von ihnen mitreißen lassen. Dann beginnen wir mit einem Prompt, erhalten zehn Ideen und verlieren möglicherweise aus den Augen, welche davon überhaupt etwas mit uns zu tun haben.
In meinem Buch „Marketing beginnt in Dir!“ setze ich mich genau mit diesem Gedanken auseinander: Marketing besteht nicht nur aus Tools, Kanälen und Strategien. Es beginnt früher. Nämlich bei deiner Klarheit, deiner Haltung, deinen Werten und deinem Vertrauen in das, was du zu sagen hast.
Keine KI der Welt kann dich im Kern wirklich begreifen. Sie kann nur mit den Informationen arbeiten, die du ihr gibst. Sie kann Muster erkennen und Sprache imitieren. Aber sie weiß nicht, was du in einem Kundengespräch gespürt hast. Sie kennt deine Entwicklung nicht und sie versteht auch nicht, warum dir ein bestimmter Gedanke wichtig ist. Vor allem kann sie nicht entscheiden, was sich für dich wahr anfühlt. Das kannst nur du.
Fazit: Nutze KI. Aber gib deine eigene Stimme nicht aus der Hand!
KI wird bleiben. Und sie wird sich weiterentwickeln. Wahrscheinlich schneller, als wir es manchmal greifen können.
Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum wir uns jetzt umso bewusster fragen sollten, was unser Marketing eigentlich menschlich macht.
Nicht jeder Text muss perfekt sein. Nicht jeder Blogartikel muss klingen wie ein Lexikon. Nicht jeder LinkedIn-Post braucht eine ausgefeilte Dramaturgie. Nicht jedes Bild muss makellos wirken. Manchmal ist ein ehrlicher Gedanke stärker als ein perfekter Inhalt.
Ich glaube, wir brauchen nicht mehr KI-Kompetenz. Wir brauchen mehr Bewusstsein dafür, wann ein Tool hilfreich ist und wann es beginnt, unsere eigene Wahrnehmung zu überdecken.
Wir brauchen mehr Mut, wieder selbst zu denken, bevor wir optimieren. Mehr Vertrauen in uns und unsere eigenen Erfahrungen, unser Wissen und unsere Ideen. Aber vor allem wieder mehr Bereitschaft, auch mit Ecken und Kanten sichtbar zu werden.
Denn Menschen suchen nicht in erster Linie nur professionelle Anbieter:innen. Sie suchen echte Menschen, denen sie sich anvertrauen können.
Und genau deshalb beginnt gutes Marketing nicht mit einem Prompt. Es beginnt mit dir. 💖
Marketing Coaching für Selbstständige
Wenn du KI gerne in dein Marketing integrieren möchtest, aber nicht einfach austauschbare Texte veröffentlichen willst, unterstütze ich dich gerne dabei. In einer Marketing-Coaching-Session schauen wir gemeinsam, wie du KI sinnvoll nutzen kannst, ohne deine eigene Stimme, deine Ideen und deine Persönlichkeit aus dem Blick zu verlieren.
Wir können an deinen Blogartikeln, Website-Texten, LinkedIn-Posts, Newslettern, deiner Positionierung oder deiner Content-Strategie arbeiten. Dabei stellen wir sicher, dass dein Marketing effizienter wird, aber weiterhin nach dir klingt.
Der Mindful-Marketing-Ratgeber
Und wenn dich der Gedanke interessiert, dass Marketing nicht nur aus Tools und Strategien besteht, sondern auch mit innerer Klarheit, Haltung und Selbstvertrauen zu tun hat, dann ist vielleicht auch mein Buch „Marketing beginnt in Dir!“ spannend für dich.
Quellen und weiterführende Hinweise
Für diesen Artikel wurden unter anderem Hinweise von Google Search Central zu KI-generierten Inhalten, hilfreichem Content und generativer Suche berücksichtigt. Außerdem eingeflossen sind aktuelle Aussagen von LinkedIn zu generischem KI-Content sowie Studien zur Wirkung generativer KI auf Marken-Authentizität und Vertrauen.


