Wenn ich ehrlich bin, habe ich früher bei dem Begriff Self-Care sofort an Yoga, Spaziergänge oder „sich etwas Gutes tun“ gedacht. Und ja, das gehört natürlich auch dazu. Aber meine Selbstständigkeit hat mir ziemlich schnell gezeigt, dass Selbstfürsorge sehr viel tiefer geht.
Ich bin jetzt (2026) im vierten Jahr selbstständig als Marketing- & SEO-Beraterin für andere Selbstständige und Gründer:innen, mit der Spezialisierung auf hochsensible Persönlichkeiten. Und wenn ich zurückblicke, sehe ich vor allem eins: Höhen, Tiefen, Wachstum, Zweifel, Euphorie und sehr viele Lernkurven. Und irgendwo mittendrin habe ich verstanden: Selbstständigkeit ohne Self-Care funktioniert auf Dauer einfach nicht.
Nicht, weil wir „zu sensibel“ sind. Sondern, weil Selbstständigkeit uns permanent mit uns selbst konfrontiert. Mit Erwartungen, Perfektionismus, Druck und der eigenen Ungeduld. Und mit der Frage: Wie gehe ich eigentlich mit mir selbst um, wenn niemand von außen den Rahmen vorgibt?
Self-Care bedeutet für mich gesunde Strukturen statt Selbstüberforderung
Ich bin ein Mensch mit vielen Ideen. Sehr vielen. Und lange Zeit habe ich geglaubt, dass genau das mein größter Vorteil ist, vor allem als Beraterin. Heute weiß ich: Es ist gleichzeitig meine größte Herausforderung. Denn Ideen sind wunderbar, bis sie anfangen, dich zu überrollen. Ich wollte oft tausend Dinge gleichzeitig umsetzen. Am liebsten sofort. Und natürlich perfekt. Spoiler: Das funktioniert nicht.
Was ich lernen durfte: Self-Care bedeutet für mich heute vor allem Struktur, nicht als starres Korsett, sondern als liebevoller Rahmen, der mich davor schützt, mich selbst zu verzetteln. Vielleicht ist dieser Perspektivwechsel ja der wichtigste:
Anstatt mich selbst zu überfordern, entscheide ich mich bewusst dafür, mir selbst zu helfen und mir das Leben bzw. das Business leichter zu machen.
Und dazu gehört auch etwas, das mir lange schwergefallen ist: Milde mit mir selbst. Zu akzeptieren, dass nicht alles gleichzeitig geht, dass Dinge Zeit brauchen und dass Wachstum kein Sprint ist. Die Natur erinnert mich immer wieder daran. Ein Gras wächst nicht schneller, wenn dran ziehen. Und trotzdem erwarten wir genau das oft von uns selbst.
Reflexionsfragen für dich:
- Wo setzt du dich selbst gerade unter Druck, „schneller“ zu sein als es sich eigentlich richtig anfühlt?
- Welche Struktur würde dir gerade wirklich helfen?
Self-Care bedeutet auch: Mit wem ich arbeite, ist meine Entscheidung
Ein Learning, dass sich leise eingeschlichen hat, aber mein Business komplett verändert hat: ICH darf entscheiden, MIT WEM ich arbeite.
Am Anfang meiner Selbstständigkeit war Stabilität wichtig. Also habe ich Aufträge angenommen, die „vernünftig“ waren, aber nicht unbedingt erfüllend. Und das ist so ein Punkt, über den wir viel zu wenig sprechen:
Unpassende Projekte kosten nicht nur Zeit. Sie kosten wertvolle Energie, rauben Kreativität und können im schlimmsten Fall sogar die Motivation nehmen.
Und manchmal blockieren sie genau den Raum, den wir brauchen, damit die richtigen Projekte entstehen können. Loslassen ist deshalb ein riesiger Teil meiner Selbstfürsorge geworden. Loslassen von Aufgaben. Von Erwartungen (meine eigenen und die von anderen). Von Projekten oder Kund:innen, die nicht (mehr) passen. Nicht aus Leichtsinn, sondern aus Vertrauen. Weil ich immer wieder erlebt habe: Wenn Raum entsteht, kann Neues kommen.
Reflexionsfragen für dich:
- Welche Aufgaben oder Projekte hältst du gerade fest, obwohl du spürst, dass sie nicht mehr richtig passen?
- Was würde passieren, wenn du hier bewusst Platz schaffst?
Self-Care im Marketing und warum mein Buch genau daraus entstanden ist
Und damit komme ich zu dem Punkt, an dem Self-Care und Marketing für mich zusammenfließen. Denn in den letzten Jahren habe ich mit sehr vielen Gründer:innen und Selbstständigen gearbeitet. Und ein Muster taucht immer wieder auf. Marketing fühlt sich oft an wie:
- „Ich müsste eigentlich…“
- „Alle anderen machen das so…“
- „Ich sollte mehr posten…“
- „Ich bin nicht sichtbar genug…“
Und ehe man sich versieht, ist man in einem Strudel aus Vergleichen, Druck und Überforderung gefangen. Man öffnet nur mal kurz Instagram und LinkedIn, scrollt durch den Feed und plötzlich hat man das Gefühl, alle wissen genau, was sie tun, nur man selbst nicht. Das kenne ich selbst sehr gut.
Genau aus diesen immer wiederkehrenden Herausforderungen meiner Kund:innen ist in 2025 mein eigenes Buch entstanden: Marketing beginnt in Dir! Weil ich gemerkt habe, Marketing ist mehr als nur eine Strategie. Es ist eine innere Haltung, nämlich das Vertrauen, auf unsere innere Stimme zu hören. Bevor wir im Außen Maßnahmen umsetzen, dürfen wir uns im Innen fragen:
- Was will ich eigentlich wirklich?
- Wie möchte ich arbeiten?
- Wie möchte ich sichtbar sein?
- Was fühlt sich für mich stimmig an?
Denn Marketing, das nur aus Druck entsteht, schafft ein Hamsterrad und brennt uns irgendwann aus. Marketing, das aus Klarheit entsteht, trägt uns langfristig.
Self-Care bedeutet für mich deshalb auch, mein Marketing so zu gestalten, dass es zu mir passt. Nicht zu (vermeinlichen) Trends, Algorithmen, die uns fremdsteuern und zu „man sollte“ dies oder das tun bzw. lassen. Sondern ZU MIR! Das kann natürlich ganz individuell sein, deshalb …
Reflexionsfragen für dich:
- Welche Marketing-Aktivitäten fühlen sich für dich gerade schwer oder fremd an?
- Welche würden sich leicht anfühlen, wenn du den Vergleich mit anderen ausblendest?
Mein Fazit: Self-Care ist kein Option, sondern eine Notwendigkeit
Heute weiß ich, dass Self-Care kein Extra-Bonus, keine Belohnung und erst recht kein weiterer Punkt auf der To-do-Liste ist. Self-Care ist die Basis dafür, wie wir arbeiten, Entscheidungen treffen und unser Business auf einem stabilen Fundament führen, das uns Energie schenkt statt Energie zu entziehen.
Sie zeigt sich in kleinen Dingen: In Strukturen, Grenzen und im Loslassen. Aber vor allem in der (oft mutigen) Entscheidung, auf die eigene Stimme zu hören. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus vier Jahren Selbstständigkeit:
Ich darf mein Business so gestalten, dass es mich langfristig trägt, statt erschöpft. Und das beginnt immer bei mir!
Dieser Text ist für die Blogparade „Was bedeutet Selfcare für dich?“ von Rani Gindl entstanden.
